Modernisierung von Rechenzentren – Ausführungsplanung und Retrofit im Bestand
Die Modernisierung von Rechenzentren verlangt die punktgenaue Erneuerung kritischer Gebäude- und Elektrotechnik, während der laufende IT-Betrieb uneingeschränkt weiterläuft. Daterra übernimmt als Generalunternehmer die Ausführungsplanung, das Retrofit im Rechenzentrum sowie die bauliche Umsetzung im Bestand.
- Ausfallfreie Umsetzung der Baumaßnahmen und Umschaltungen im laufenden System
- Abstimmung von Kühlung, PUE-Werte und Stromversorgung auf die tatsächliche Nutzung
- Berücksichtigung der DIN EN 50600 für eine sichere Ausführung im Bestand
Was bedeutet ein Retrofit im Rechenzentrum für die bestehende Infrastruktur?
Ein Retrofit im Rechenzentrum beschreibt die Modernisierung technischer Gewerke in bestehenden Anlagen. Im Gegensatz zum Neubau bleiben Gebäudehülle und Grundstruktur erhalten. Veraltete Komponenten der Stromversorgung, Kühlung oder Sicherheitstechnik werden schrittweise durch moderne Systeme ersetzt.
Ziel dieser Maßnahmen ist die Steigerung der Verfügbarkeit und Energieeffizienz sowie die Anpassung der Flächen an höhere Leistungsdichten. Da der Austausch im laufenden Betrieb erfolgt, werden Strompfade und Kältemittelkreisläufe unterbrechungsfrei umgeschaltet.
Leistungsspektrum der Gebäudeinfrastruktur: Retrofit im Rechenzentrum ohne Versorgungsunterbrechung
Die technische Infrastruktur in Bestandsgebäuden erfordert bei der Modernisierung von Rechenzentren eine abgestimmte Erneuerung aller Gewerke. Wir übernehmen die Ausführungsplanung und bauliche Umsetzung für folgende Schwerpunkte:
Anpassung der Transformations- und Verteilerebenen sowie Integration ausfallsicherer Systeme für die USV im Serverraum, um Versorgungsunterbrechungen bei Umschaltvorgängen sicher auszuschließen.
Nachrüstung von Klimatechnik, freier Kühlung sowie maßgeschneiderten Systemen für High-Density-Racks und Flüssigkühlung, die den steigenden Anforderungen an die Kühlung im Serverraum gerecht werden.
Erneuerung der strukturierten LWL- und Kupferverkabelung, Optimierung der Trassenführung sowie Neuordnung von Racks zur Gewährleistung geordneter Luftströme.
Modernisierung von physikalischen Zugangskontrollen, Überwachungssystemen sowie die bauliche und technische Auslegung für den Brandschutz im Serverraum durch automatische Löschanlagen und Abschottungen.
Optimierung des Gesamtwirkungsgrads durch thermische Einhausungen, Drehzahlregelungen und technische Vorkehrungen zur Auskopplung von Abwärme.
Ablauf der Modernisierung: phasenweise Umsetzung der Gebäudeinfrastruktur
Umbauten im laufenden Betrieb erfordern eine detaillierte Ablaufsicherung, um Versorgungsunterbrechungen der IT-Systeme auszuschließen. Daterra unterteilt den Prozess in vier aufeinander aufbauende Phasen:
Bestandsaufnahme und Analyse:
Wir erfassen den physischen und elektrotechnischen Ist-Zustand der Anlagentechnik vor Ort. Dazu gehören die Prüfung der Lastprofile, die thermische Analyse der Raumkühlung sowie die Bewertung der vorhandenen Reserven in den Trassen und Verteilungen.
Konzept und Ausführungsplanung:
Auf Basis der Realdaten erstellen wir die herstellerunabhängige Detailplanung. Wir legen die Redundanzkonzepte fest, takten die baulichen Zwischenschritte und planen temporäre Umschalt- sowie Provisorienkonzepte zur Aufrechterhaltung der Stromversorgung und Kühlung.
Umsetzung im laufenden Betrieb:
Die bauliche und technische Montage erfolgt phasenweise bei uneingeschränkter Weiterversorgung der IT-Lasten. Umschaltungen auf neue USV-Anlagen, Kältemaschinen oder Verteiler werden strikt nach abgestimmten Drehbüchern durchgeführt.
Abnahme und Dokumentation:
Nach Abschluss der Installationsarbeiten prüfen wir das Gesamtsystem unter realen Lastbedingungen. Wir übergeben eine lückenlose Revisionsdokumentation, Prüfprotokolle aller Gewerke sowie aktualisierte Ausführungspläne für den sicheren Weiterbetrieb.
Wann eine Modernisierung von Rechenzentren technisch erforderlich wird
Der passende Zeitpunkt für ein Retrofit im Rechenzentrum kündigt sich im Betrieb meist schrittweise an. Technische und wirtschaftliche Faktoren machen eine Erneuerung der Gebäude- und Elektrotechnik notwendig:
- Steigende Betriebskosten durch schlechtere Wirkungsgrade veralteter Komponenten in Kühlung und Stromversorgung
- Erreichen technischer Leistungsgrenzen bei der Aufstellung neuer Racks für High-Density-Anwendungen und KI-Workloads
- Anstehende Überprüfungen zur Einhaltung gesetzlicher Effizienzvorgaben und Richtlinien
- Erhöhtes Ausfallrisiko durch schwer beschaffbare Ersatzteile älterer Kältemaschinen oder USV-Anlagen
- Unverhältnismäßiger Flächenbedarf bei veränderten IT-Strukturen und unzureichende Luftstromführung im Raum
Diese Indikatoren zeigen klar, an welchen Stellen Handlungsbedarf besteht. Eine rechtzeitige Anpassung verhindert ungeplante Stillstände und sichert den unterbrechungsfreien Weiterbetrieb der gesamten Infrastruktur.
Ausfallsicherheit im laufenden Betrieb sichern
Verhindern Sie Überlastungen und Ausfälle durch eine auf Ihre Infrastruktur abgestimmte Erneuerung der Anlagentechnik.
Drei Wege zur angepassten Gebäudeinfrastruktur: Retrofit, Neubau oder stufenweise Erneuerung
Bei der Anpassung an steigende IT-Anforderungsprofile steht die Entscheidung zwischen der Weiterverwendung vorhandener Flächen oder dem Errichten neuer Kapazitäten im Mittelpunkt. Räumliche Rahmenbedingungen, zeitliche Vorgaben und geforderte Lastdichten bestimmen den gewählten Umsetzungsweg. Daterra bewertet die Bausubstanz vor Ort und deckt beide Vorgehensweisen ab.
Wenn Unsicherheiten bezüglich der Tragfähigkeit der vorhandenen Infrastruktur bestehen, klärt eine fundierte RZ Beratung im Vorfeld, ob ein Retrofit technisch und wirtschaftlich umsetzbar ist.
Modernisierung im Bestand (Retrofit)
Diese Option nutzt die vorhandene Gebäudehülle sowie bestehende Netzanschlüsse für die schrittweise Erneuerung der Komponenten in Stromversorgung und Kühlung bei geringerer Kapitalbindung. Der Ansatz verkürzt die Ausführungszeit deutlich, da langwierige Genehmigungsverfahren entfallen.
Neubau eines Standorts
Ein neues Rechenzentrum zu bauen bietet volle Freiheit bei der Raumaufteilung sowie der Dimensionierung von Trassen und Versorgungsebenen. Dieser Weg erfordert jedoch höhere Investitionen und längere Planungsphasen.
Modernisierung von Rechenzentren: gesetzliche PUE-Vorgaben und klimatechnische Umsetzung
Das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) setzt für Rechenzentren ab 300 kW Nennanschlussleistung verbindliche Grenzwerte für die Power Usage Effectiveness (PUE). Bestehende Standorte müssen einen PUE-Wert von höchstens 1,5 ab dem 1. Juli 2027 und von höchstens 1,3 ab dem 1. Juli 2030 erreichen. Für neue Rechenzentren gilt seit dem 1. Juli 2026 ein Grenzwert von 1,2. Zusätzlich verlangt das Gesetz die systematische Erfassung und Dokumentation der Abwärme sowie einen Mindestanteil an Wiederverwendung (Energy Reuse Factor).
Bestehende Standorte müssen dafür ihre Stromversorgung und Kühlung anpassen. Die stufenweise Erneuerung von Kältemaschinen und der Einsatz hocheffizienter USV-Anlagen ermöglichen das Einhalten der Grenzwerte, ohne die Verfügbarkeit im laufenden Betrieb zu gefährden. Daterra bewertet bestehende Anlagensysteme auf Konformität mit den gesetzlichen Vorgaben, passt Kühlkreisläufe an die geforderten Leistungsprofile an und sichert die thermische Stabilität der Infrastruktur ab, wie die klimatechnische Ertüchtigung komplexer Bestandssysteme zeigt.
Einhaltung von EN 50600 und ISO-Standards bei der Erneuerung von Standorten
Nationale und internationale Regelwerke sichern die Ausfallsicherheit, IT-Sicherheit und Energieeffizienz von Rechenzentrumsinfrastrukturen. Wir berücksichtigen diese Vorgaben direkt in der Entwurfs- und Ausführungsplanung:
- DIN EN 50600: Vorgaben für Baukonstruktion, Stromversorgung, Raumkühlung und Verfügbarkeitsklassen
- ISO/IEC 27001: Standard für das Informationssicherheits-Managementsystem (ISMS) und physische Schutzzonen
- ISO/IEC 20000: Rahmenwerk für das IT-Service-Management zur Absicherung betrieblicher Abläufe bei Wartung und Umbau
- TÜViT TSI (Trusted Site Infrastructure): Kriterienkatalog zur Prüfung der physischen Hochverfügbarkeit aller Gewerke





Modernisierung von Rechenzentren: häufig gestellte Fragen zu Ablauf und Kosten
Was kostet eine Rechenzentrumsmodernisierung?
Die Gesamtkosten hängen vom Zustand der Bausubstanz, den geforderten Lastprofilen und den zu erneuernden Gewerken ab. Die Anpassung der Kältetechnik oder der Austausch von USV-Anlagen erfordert deutlich geringere Investitionen als ein Neubau, da vorhandene Gebäudehüllen und Netzanschlüsse weiter genutzt werden.
Wie unterscheidet sich eine Modernisierung von einem Neubau?
Bei einem Standortneubau wird die gesamte Gebäude- und Anlagentechnik auf unbebauten Flächen neu errichtet, was lange Planungs- und Genehmigungsphasen nach sich zieht. Die Erneuerung im Bestand nutzt die vorhandene Infrastruktur, um Versorgungsanlagen schrittweise auszutauschen und Versorgungsengpässe schneller zu beheben.
Ist eine Modernisierung im laufenden Betrieb möglich?
Ja, Umbauten und Leistungserhöhungen lassen sich ohne Unterbrechung der Verfügbarkeit umsetzen. Durch das Umschalten auf redundante Versorgungspfade und provisorische Kälteversorgungen bleiben IT-Systeme während der Montagearbeiten durchgehend am Netz.
Wie lange dauert eine Modernisierung?
Die Ausführungszeit richtet sich nach dem Umfang der Gewerke und den Lieferzeiten der Anlagentechnik. Da bei Umbauten im Bestand umfangreiche baurechtliche Genehmigungsverfahren oft entfallen, lassen sich Projekte im Vergleich zu Neubauvorhaben deutlich schneller realisieren.
Wann ist ein Retrofit statt eines Neubaus sinnvoll?
Ein Retrofit ist die bevorzugte Option, wenn die vorhandene Gebäudehülle tragfähig ist und Stromanschlüsse ausreichende Kapazitäten bieten. Es ermöglicht Betreibern, Effizienzwerte und Kühlleistungen mit geringerer Kapitalbindung an aktuelle Standards anzupassen.